Kunst als Sendung. Von der Telegrafie zum Internet.

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Von der Telegrafie zum Internet
Broschiertes Buch
Angesichts des unaufhaltsamen Vordringens der Digitalisierung in alle Lebensbereiche läßt sich fragen: Wozu noch Kunst im Medienzeitalter? Prägen nicht längst die elektronischen Massenmedien die ästhetische Wahrnehmung? Eine solche Technikdominanz verfechten lautstark jene Vertreter der Medienwissenschaft, die für sich die Faktizität der Naturwissenschaften beanspruchen und ästhetischen Fragen keinen Raum mehr geben. Kunstwissenschaftler wiederum fühlen sich für die Invasion der Medien nicht gerüstet, in denen sie zwar die eigentlichen Erben der Kunstgeschichte sehen, ohne aber deren Wirkungsmechanismen zu erfassen. Dagegen zeigt der Autor, daß im Verlauf der vergangenen zweihundert Jahre die jeweils aktuellsten Medien - von der Telegrafie bis zum Internet - zwar viele Funktionen übernehmen, die ehemals der Kunst vorbehalten waren. Aber er belegt auch, wie die Künste die technische Entwicklung anregten, deren Auswirkungen oftmals vorwegnahmen. Moderne und Medien erweisen sich so als die zwei Seiten einer Medaille. In seinem interdisziplinären Ansatz entwirft das Buch für jeden, der sich mit kritischer Neugier der Geschichte der Medien nähert, ein überraschendes Panorama der Interferenzen: für den Kommunikationswissenschaftler wie für den Soziologen, für den technikgeschichtlich Interessierten, den Kunsthistoriker und nicht zuletzt den Medienkünstler.
Ob der neuesten Tendenzen sind Kunstwissenschaftler oftmals ratlos. Was sollen Künstler noch schaffen angesichts der Vernetzungsstrategien und ästhetischen Vormachtstellung von Fernsehen und Internet? Inwieweit sind da überhaupt noch künstlerische Innovationen denkbar? Und während die Kunstwissenschaftler auf Symposien und in Oberseminaren noch heftig diskutieren, malen, bildhauern, videokünstlern die Maler, Bildhauer und Videokünstler weiter, als sei (fast) nichts geschehen. Und einige -- wenige -- machen sich sogar das Internet zunutze.

Rat für Kunstwissenschaftler gibt nun der klug recherchierte und fachmännisch geschriebene Band Kunst als Sendung. Von der Telegrafie zum Internet des Professors für Kunstgeschichte an der HGB Leipzig Dieter Daniels, der zudem als Leiter der Mediathek am ZKM Karlsruhe in diesem Bereich wichtige Erfahrungen sammeln konnte. Daniels verfolgt die parallele Entwicklung von Telegrafie und Museumsgedanken, beschreibt die Medien als "Fortsetzung der Malerei mit anderen Mitteln", geht der "Verkörperlichung der Medien" auf den Grund und untersucht die spannungsgeladene Wechselwirkung zwischen Modernität und Medien. Und er zeigt dabei, dass die Geburt nicht zuletzt der neuen Medien aus dem ästhetischen Geist der Künstler und Künstlerinnen (vor allem des 20. Jahrhunderts) erfolgte. Ein wichtiges Buch also nicht nur für Kunsthistoriker, die damit allerdings auf ihren Symposien und in Oberseminaren glänzen können. --Stefan Kellerer

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