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Was ist Kunst? Oder, andersrum gefragt, wie wird aus einem profanen Objekt ein Kunstwerk? Denn "all diese Dreiecke, Vierecke und sonstigen Müllkippen", die wir in den Museen moderner Kunst bestaunen dürfen, scheinen, um es mit Groys Worten auszudrücken, auf den ersten Blick "öde, langweilig und unattraktiv" zu sein. Und doch werden sie dem Publikum neben anerkannten Kunstwerken präsentiert. Sind sie ein fester Bestandteil unserer Hochkultur.
Seit langem wird eine nicht enden wollende Diskussion darüber geführt, was Kunst sei und was nicht. Die überkommenen Normen des Wahren, Schönen, Guten haben offensichtlich ausgedient. Die Hochkultur darf nicht mehr bloß gefallen, sie muss Erklärungen, Diskussionen und neue theoretische Ansätze provozieren, um als erfolgreich zu gelten. Da es keinen allgemein akzeptierten Kunstkanon mehr gebe, an dem man sich orientieren könne, sei Kunst heute das, was sich durchsetzt, erklärt Groys. Oder, anders ausgedrückt, was sich verdächtig macht.
Tatsächlich haben wir keine verbindlichen Normen mehr, mit denen wir ein Kunstwerk als solches identifizieren könnten. Im Medienzeitalter liegt die Bringschuld allein beim Kunstwerk: Nur wo es ihm gelingt, sich bemerkbar zu machen, könne es als Kunstwerk gelten. Erst die Kunstkommunikation, die ein Objekt auszulösen vermag, adelt es zum Kunstwerk. Der Verdacht ist das Medium dieser Kommunikation. Er ist, wenn man so will, das Medium aller anderen Medien.
Mit seiner Phänomenologie der Medien bleibt Boris Groys seinem Ruf als einer der originellsten und einflussreichsten Kunsttheoretiker treu. Er entwickelt damit die zentralen Thesen seiner viel beachteten Studie Über das Neue fort und erklärt, wie die "Ökonomie des Verdachts" in den unterschiedlichsten Medien funktioniert. --Stephan Fingerle
